
Multispektral-Kameras, wie z.B. an der DJI Mavic 3M, erfassen nicht nur ein typisches RGB-Bild, sondern verschiedene Reflexionswerte in mehreren schmalen Spektralbändern. In Kombination mit radiometrischer Kalibrierung entstehen daraus objektive Datengrundlagen, mit denen sich Pflanzenbestände flächendeckend bewerten und Maßnahmen gezielt ableiten lassen, bis hin zur Applikationskarte für Maschinen und Spot-Spraying.
Normale RGB-Bilder zeigen, wie etwas mit dem bloßen Auge aussieht. Multispektral-Kameras messen, wie Pflanzen Licht in definierten Wellenlängenbereichen reflektieren. Das ist wichtig, weil Pflanzen je nach Zustand (Wachstum, Stress, Nährstoffversorgung, Wasser, Krankheit) ihr Reflexionsverhalten verändern. Dies geschieht teils lange bevor Symptome im Feld mit dem bloßen Auge sichtbar werden.
Aus den radiometrisch kalibrierten Spektralbändern lassen sich im weiteren Verlauf Vegetationsindizes berechnen. Diese Indizes verdichten die Messwerte zu Kennzahlen, mit denen sich Bestände einfach vergleichen und flächig bewerten lassen. In der Praxis haben sich dabei besonders die beiden folgenden bewährt: NDVI und NDRE.
Der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) ist ein etablierter Standard zur flächendeckenden Bewertung von Pflanzenvitalität und Biomasse. Er eignet sich sehr gut, um Zonen im Schlag abzugrenzen, Bestandsdichten zu beurteilen und die Entwicklung über mehrere Termine zu verfolgen.
Der NDRE (Normalized Difference Red Edge) nutzt statt des roten Bandes das Red-Edge-Band und bleibt dadurch bei dichten Beständen häufig sensibler. Er ist besonders hilfreich, um feine Unterschiede im Bestand zu erkennen und so frühe Stressreaktionen sichtbar zu machen. Zudem wird der NDRE oft als besserer Indikator genutzt, wenn es um chlorophyllbezogene Fragestellungen geht, die in der Praxis häufig mit der Stickstoffversorgung zusammenhängen.
Wichtig ist: Diese Vegetationsindizes liefern robuste, wiederholbare Muster, mit denen sich Unterschiede objektivquantifizieren und über Zeitpunkte hinweg vergleichbar auswerten lassen.
Mit Multispektral-Auswertungen lassen sich u. a. folgende Themen frühzeitig und flächendeckend erkennen & bewerten:
Das Ergebnis dieser Auswertungen ist eine Zonenkarte, die auf den erhobenen Messdaten basiert.
Im nächsten Schritt erfolgt die Übersetzung der Zonenkarte in eine Applikationskarte, welche für alle weiteren Schritte, wie z.B. die punktuelle Ausbringung von Pestiziden zur Eindämmung des Schädlings- oder Unkrautbefalls eines betroffenen Areals, verwendet werden kann.
Workflow in der Praxis:
Spot-Spraying ist dabei eine besonders interessante Möglichkeit:
Statt die Behandlung der Vollfläche mit Pestiziden/Fungiziden werden nur die Bereiche behandelt, die eine Behandlung benötigen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Entwicklungsstadium der Pflanzen und die verwendete Technik zusammenpassen.
Multispektralanalysen liefern in der Landwirtschaft einen klaren Mehrwert, weil sie Flächen mit beginnendem Stress oder Entwicklungsrückstand frühzeitig erkennen und räumlich präzise abgrenzen. So können gezielte Maßnahmen rechtzeitig umgesetzt werden, bevor Ertrag und Qualität messbar beeinträchtigt werden.
Aus kalibrierten Reflexionsdaten entstehen Indizes wie NDVI und NDRE, mit denen sich Vitalität, Biomasse und Stresszonen flächendeckend erfassen lassen. Dadurch werden Unterschiede im Schlag früh erkannt, sauber abgegrenzt und als Managementzonen oder direkt als Applikationskarten nutzbar.
Der praktische Effekt ist spürbar:
gezieltere Düngung und Wachstumsregler, Spot-Spraying statt Vollfläche, weniger Streuverluste und eine bessere Priorisierung von Kontrollen im Feld. Das reduziert Inputkosten, erhöht die Treffsicherheit von Maßnahmen und stabilisiert Erträge. Zudem entsteht dadurch eine belastbare Datengrundlage, die zur stichhaltigen Dokumentation von Ernteerträgen & Betriebsauswertungen verwendet werden kann.


